Montag, 21. März 2011

Neuauslegung in Ich-Erzählform des San Salvador von Peter Bichsel

Der Tag hatte beinahe zu gut angefangen. Ich hatte hervorragend geschlafen und als sich Hildegard nahezu liebevoll von mir verabschiedet hatte, war in mir seit langer Zeit das erste Mal die Lust aufgekeimt etwas zu tun; das ewige Warten zu beenden, einen Schritt auf sie zuzumachen. Nachdem ich die Kinder in die Schule gebracht hatte, war ich auf direktem Weg in die Stadt gefahren, hatte Blumen und zwei Plätze in der Oper heute Abend besorgen wollen, war aber aufgrund des Preises auf Kino umgestiegen. Regina hatte sich bereiterklärt, sich der Kinder anzunehmen und als ich mich pfeiffend auf dem Weg zu meinem Wagen befand und mich eine edle Füllfeder aus dem Schaufenster eines Schreibwarenladens anlachte, gönnte ich mir gutgelaunt und kauffreudig, wie ich war, die siebzig Franken Schreibvergnügen und sass gegen 12 Uhr pünktlich vor der Schule in seinem Audi.
Auch als nachmittags Regina kam um die Zwillinge abzuholen war ich bester Laune. Ich zählte die Stunden, Minuten, räumte tatsächlich ein wenig auf und sass gegen vier Uhr eine Zigarette rauchend und mit offenen Fenstern am Küchentisch. Vor mir lagen ausgebreitet die Zeitungen. Ich griff nach meiner Tasche und angelte nach der Füllfeder, stellte den Radio lauter, grölte ein wenig mit, öffnete die Packung und stopfe di Gebrauchsanweisung ungelesen in meine Tasche (Eine Schreibfeder zu „bedienen“ dürfte selbst mir gelingen). Ich beschloss meinen Eltern einen Brief zu schreiben. Ich hatte mich lange nicht mehr bei ihnen gemeldet. Dabei waren ich und mein Vater früher wie Kumpels gewesen und meine kleine Schwester, die studierte und noch bei ihnen wohnte wollte schon lange etwas mit mir unternehmen. Ich füllte meine Feder, schob die Zeitungen ein wenig beiseite und setze auf einem nicht ganz weissen Recyclingpapier zu einigen Testen an. Ich musste recht lange üben, bis ich eine schwungvolle Unterschrift draussen hatte. Es war bereits halb sechs. In einer Stunde dreissig Minuten würde Hildegard zu Hause sein. Ich hatte keine Mühe gescheut, die Blumen und die Kinokarten für die Vorstellung um halb neun schön auf der Kommode im Gang drapiert. Sie würde sie als erstes sehen, wenn sie heimkommen würde. Ich war dabei einige Wellenlinien auf mein, schon halbvolles, Blatt zu kritzeln, hatte gerade meine Zigarette ausgedrückt, als die Lust nach einem Bier in mir aufstieg. Ich holte mir eines aus dem Kühlschrank aber das Beste gabs im Löwen. Allein mittwochs hatte meine Lieblingsbar geschlossen… es war Mittwoch. Jeden Mittwochabend sowie donnerstags und montags war Hildegard im Kirchenchor. Sie kam nicht nach Hause nach der Arbeit, ass mit Freunden, es lohne sich nicht, sagte sie. Er wusste, dass sie es bloss Leid war für eine Stunde nach Hause zu kommen und mit zwei streitenden Kindern am Tisch ihm, Paul, schweigend gegenüberzusitzen. Sie hatten sich lang nichts mehr zu sagen gehabt. Zu lange schon lebt jeder sein Leben. Die Gemeinsamkeit der Ehe war im Stress des Alltags verloren gegangen. Jeder Versuch irgendetwas zu tun, das zu einer sinnvollen Kommunikation führte war kläglich gescheitert. Hildegard war abends müde und am Wochenende beschäftigt und die Ferien waren nicht dazu da zu streiten.
Sieben Uhr. Also kein zweisamer Abend. Ich schloss das Fenster. Es wurde kühl. Längst war meine Hochstimmung vom Vormittag verflogen und einem flauen Gefühl im Magen gewichen. Klar, mein Fehler war es gewesen, die Chorprobe vom Abend zu vergessen. Ich hätte nur zwei Tage warten müssen, mit meinem guten Tag und er hätte möglicherweise noch besser geendet. Erneut nahm ich meinen Füller, schrieb die Adresse meiner Eltern aufs Blatt, nur zum Test. Einen Brief zu schreiben war ich nicht in der Lage noch in der Stimmung ihn freundlich zu formulieren. Ich mochte Schwierigkeiten haben, es mir einzugestehen, aber ich hatte eine Wut im Bauch entwickelt. Ich hatte das grässliche Gefühl alles getan und doch versagt zu haben. Ich schob das zugekritzelte Papier zur Seite und holte einen astreinen, schneeweissen Bogen teures Papier aus meinem Arbeitszimmer, faltete ihn sorgfältig und hielt einen Moment inne. Wie ich da sass, abgeschnitten vom Rest der Welt, alleingelassen mit mir und meinen Gedanken schien mir meine Situation so ausweglos wie noch nie.  Dann setzte ich meine Feder an und schrieb in einem Zug und wunderschön die Worte Mir ist es hier zu kalt nieder. Ich las sie nochmal durch, bevor ich  schrieb: ich gehe nach Südamerika. Ein Ausrufezeichen und mein Namen, schon wäre der Brief fertig. Ich zögerte, schraubte die die Kappe auf die Feder. Ich las meine Worte noch mal durch, testete ihre Wirkung auf mich. Sie waren mir in einer Zehntelsekunde durch den Kopf gegangen, und dass sie all meine Gedanken so unbemäntelt wiederspiegelten, wie sie es nur konnten, war beinahe beängstigend. Ich sah zu wie die Tinte trocknete, beinahe schwarz wurde. Beinahe? Es war nicht der Zeitpunkt an der Aussage der hübschen Verkäuferin zu zweifeln, die mir unter Augenaufschlag versichert hatte, die Tinte würde pechschwarz werden. Ich öffnete die Feder wieder und setzte nur meinen Namen unter das Blatt. Schloss die Feder wieder sorgfältig und legte sie hin. Ich sass einfach nur da, meinen düsteren Gedanken schutzlos ausgeliefert. Ich hatte keine Energie mehr. Ich war zu hundert Prozent ausgelaugt und fühlte, wie meine Ohren taub und mein Blick stumpf wurde.
Als die Tinte längst schwarz war stand ich auf. Meine Beine waren wackelig aber sie hielten mein Gewicht. Ich holte mir ein neues Bier. Es war das letzt gekühlte und mir wurde bewusst, dass ich in den letzten drei, vier, fünf(?) Stunden acht Flaschen geleert hatte. Mein Zigarettenpäckchen war lehr und der Aschenbecher rauchte. Es stank. Angewider schob ich den Aschenbecher von mir und räumte die Zeitungen endgültig weg. Ausgerechnet die Kinoinserate waren geöffnet und riefen neuen Groll hervor. Energisch zerpflückte ich mein Blatt mit dem Versuchen. Für die Kinovorstellung war es jetzt zu spät. Die vergessenen Chorproben würden schon bald fertig sein, es war unerklärlicherweise Bier für Bier, Zigarette um Zigarette acht Uhr vierzig geworden. Um 9 würde sich Hildegard auf den Weg machen um eine halb Stunde später bei mir zu sein. Der Lärm des Radios war mir zu viel geworden. Ich stellte es ganz aus und öffnete das Fenster um den Rauch loszuwerden. Hildegard mag es nicht, wenn ich rauche und trinke. Sie sagt, dann sei ich unausstehlich. Ich schloss das Fenster demonstrativ wieder, liess Aschenbecher, die leeren Flaschen und ein halbausgetrunkenes, lauwarmes Bier zusammen mit meinem Brief zurück. Als ich auf dem Weg in mein Bureau der Kommode mit den Tickets und den Blumen vorbeikam, versetze ich ihr einen Stoss, der die Tickets zu Boden segeln und die Lilien erzittern liess. Hildegard mag Lilien, besonders weisse. Es war neun Uhr. Hildegard würde sich möglicherweise über die Blumen freuen, sie Aufheben und über die Tickets wundern. Sie würde ihrer Nase in die Küche folgen, entsetzt das alle Fenster öffnen und den Aschenbecher in hohem Bogen rauswerfen. Dabei würde sie seine Nachricht lesen und nicht recht glauben können. Sie würde in den Löwen telefoniern und ebenso vergessen haben, dass dieser mittwochs geschlossen hatte, wie er den Chor vergessen hatte. Sie würde sich durchs Haar fahren und an Südamerika denken, seine Hemden möglicherweise zählen gehen nachdem sie ihren Mantel ausgezogen hatte. Sie würde sich die Schläfen reiben, ihre Migräne spürend und dann ins Zimmer der Kinder gehen. Spätestens dann würde sie unglaubliche Angst bekommen, sie wusste nichts von Regina.

Da sitze ich. Es ist nach neun. Ich habe soeben die Gebrauchsanweiseung meines Füllers in meiner Tasche wiederentdeckt und gelsesn. Deutsch. Französisch. Englisch. Ungarisch. Ich spreche kein Ungarisch.
Ich lese den Text erneut in allen Sprachen, ja vergleiche gar Englsich mit Deutsch und werde mir bewusst, was ich tue. Lege die Anleitung weg und überlege, wem ich einen Brief schreiben könnte. Lohnt sich nicht mehr, es ist 21.24.
Südamerika war nicht ernst gemeint gewesen. Es war eine Versuchung gewesen, der ich nicht habe widerstehen können, dies niederzuschreiben. Resignation hatte sich in mir breitgemacht. Ich war alles andere als nüchtern gewesen, auch wenn ich erst danach mit dem grossen Trinken begonnen habe. Nun bin ich wohl leicht beschwipst und habe weder die Kraft noch die Zeit ernsthaft über die Umsetztung meines „Plans“ nachzudenken. Ein Knall. Zurück in der Gegenwart.
„Schlafen die Kinder?“
Keine Begrüssung. Ich schliesse die Tür zu meinem Schreibzimmer ab. Ein Sofa steht in der Ecke, bereit mich jederzeit aufzufangen, wenn es die Ehefrau nicht tut. Von nebenan ertönen einige Laute, Schritte, dann Stille. Und eine alles verhüllende Dunkelheit wird allgegenwärtig.

Montag, 7. März 2011

Ritter, Tod, Teufel und Bärlach

Bärlach mag seine eigenen Gründe gehabt haben, warum er ausgerechnet dieses Bild in seinem Zimmer haben wollte, da er sein Schicksal noch nicht oder nur zum Teil kannte, als er seinen Wunsch äusserte .Der Autor hingegen scheint seine Wahl ganz präzise getroffen zu haben. Bärlach, der ehrwürdige Kommissär, wie auch der Ritter "reiten" (nach Aussen) furchtlos und majestätisch in den Tod.  Es mag Grössenwahn sein, oder auch Selbstüberschätzung, aber sowohl Bärlach als auch der Ritter sind sich sicher eine ehrvolle Arbeit zu leisten. Sie „opfern“ sich beide im Endeffekt für die „Gute Sache“. Wenn auch einige Schlachten erfolgreich sein mögen, schlussendlich wird der Ritter im Kampf sterben und wenn Bärlach das Sonnenstein auch überlebt – schlussendlich wird ihn seine Krankheit umbringen. Der Ritter, wie auch Bärlach kann sowohl leiden als auch schaden. Der Ritter wird getötet oder tötet andere. Bärlach, der eine reale „Schlacht“ kämpft kann entweder Emmenberger überwältigen (lassen) oder selber sterben.
Man kann das Ganze Natürlich auch als Metapher sehen: Bärlach ist der Ritter, Emmenberger Tod und/oder der Teufel, aber ich denke nicht, dass Bärlach seine Vorliebe für dieses Bild erst entwickelt hat, als er schon im Krankenhaus lag.
Dürrenmatt verwendet dieses Bild möglicherweise auch als Symbol für die Todesangst des Kommissärs, der sich verzweifelt an sein Leben klammert. Das Bild symbolisiert Vergänglichkeit

Sonntag, 27. Februar 2011

Sprachenbioagrafie - Meine Sprachwelt

Als ich im Alter von etwa 5 Monaten „En guete mitenand“ sagte, waren meine Eltern sehr stolz. Ich konnte mich dennoch erst mit 3 Jahren richtig verständigen und z.B. Fragen stellen und Antworten verstehen.
In meinem 1. Lebensjahr trafen wir jeden Morgen, auf dem Weg zur Kinderkrippe auf Kühe. Ich nannte sie „muh“ – wie sonst? Als ich anfing richtig zu sprechen musste ein neues Wort für  die Muh her: Chuä. Blöd nur, dass ich weder das ch noch das ä auszusprechen vermochte…so zeigte ich an jenem Morgen aus dem Zugfenster und rief: „U! U!“, zumindest tönte das für meine Eltern so ähnlich und sie lächelten mich verständnislos an. Nach diesem Vorfall behielt ich das Wort Muh für viele Jahre bei, wenn auch nur aus Trotz.

Jeden Tag liest man seinen Kleinen Bilderbücher vor – oder man erzählt sie anhand der Bilder. Von Anfang an durfte ich wählen, ob man sie mir erzählen (=Schweizerdeutsch) oder vorlesen (=Hochdeutsch) soll. Bei Büchern, die ich schon kannte wählte ich bald mal das Vorlesen. Ich mischte nun die für mich neuen und unverständlichen deutschen Wörter mit dem Mundart und sprach auch öfters mit lustigen Wörtern oder versuchte ganz „deutsch“ zu sprechen.

Als ich klein war, war mein Vater noch an der Universität. studierte unter anderem Informatik und ich wurde bald mit der Sprache Englisch konfrontiert. Ich wusste also schon im Alter von einem Jahr, dass es eine lustig tönende Sprache namens Englisch gibt.
Eines Abends, ich musste zu diesem Zeitpunkt etwa 3 Jahre alt gewesen sein, setzte ich mich auf unseren Schaukelstuhl und sang vor mich hin. Mein Vater hörte dies und, da er nichts verstand fragte er mich sanft, was ich denn singe, worauf ich stolz erwiderte, das sei doch englisch, ob er es denn nicht verstehe.
Infolge dessen kaufte mir mein Vater ein Computerspiel für Kinder: Emil und Pauline in England.
So lernte ich nach und nach ein wenig Englisch, das Spiel fand aber erst richtig Anklang, als ich schon viel älter war, vielleicht von 5 bis 8.

Sehr seltene Besuche bei meinen Grosseltern brachten mich der italienischen Sprache schon früh näher, was mir allerdings nichts brachte, denn sie fluchten und beteten zwar italienisch und sprachen auch unter sich italienisch, mir wurde allerdings nie etwas übersetzt. Meinem Vater war es in erster Linie wichtig, dass ich perfekt Deutsch lernte. Im Alter von 12 lernte ich ein kleines Tischgebet und war seither auf meine „Italienisch-Kenntnisse“ stolz. Ansonsten konnte ich nur vereinzelte Wörter und Sätze, die meine Mutter immer wieder auf Italienisch von sich liess. Insbesondere wenn sie wütend war.

Mein Hochdeutsch verbesserte ich noch vor dem Kindergarten mit Kassetten, die ich hörte, während meine Eltern lernten und ich nicht in die Krippe musste. Ich war nur ½ Jahr im Kindergarten und wechselte danach in die Schule, wo ich im Hochdeutsch schreiben und besser lesen lernte. Ich las im Alter von etwa 6 bis etwa 13 sehr viel, vielleicht fast ein wenig zu viel. Dadurch wurde mein Hochdeutsch – bis auf das Sprechen – bald sehr gut. Und ich würde sagen, dass ich Deutsch heute perfekt beherrsche.

Englisch hatten wir freilich erst in der Sekundarstufe aber ich hatte mir schon ein recht breites Vokabular angeeignet und ich glaube, dass mein Computerspiel in dieser Hinsicht sehr nützlich gewesen war. Da wir in der Schule nie wirklich guten Englischunterricht hatten, habe ich dieses Vokabular auch nur in einem bestimmten Rahmen ausgebreitet. Ich bin auch nicht  sonderlich gut, was  Zeitformen angehen, das schreiben also, kann mich aber auf tiefem Niveau gut mit Englischsprechenden unterhalten. Mit Texten habe ich keine Mühe, sofern ich die Wörter kenne, da mir die Sprache liegt.

Seit der 5. Klasse wird französisch in der Schule unterrichtet. Schulisch gesehen war ich immer recht gut und mein Wortschatz ist recht gross. Zu sprechen hingegen fällt mir, besonders seit ich italienisch lerne, recht schwer, da ich sehr viele Wörter verwechsle. In Texten verstehe ich bis zu einer Gewissen Stufe alles, habe aber mit Zeitung etc. noch ein Wenig Mühe. Auf der Strasse und im Ausland versuche ich wenn möglich auf Englisch mit Franzosen zu sprechen und kommuniziere oft mit Händen und Füssen.

Richtiges Italienisch, mit Grammatik und allem, begann ich erst vor sehr kurzer Zeit zu lernen.  Da ich die Sprache schon von klein auf irgendwie in mir drin habe und vor allem, weil wir sieben Stunden Die Woche Italienisch lernen und auch weil viele Regeln und Wörter dem Französisch gleichen, lernte ich rasch und gut. Mein Vokabular ist zwar noch recht klein, ich benütze aber auch – zwangsläufig – was ich kann im Alltag.


Fazit 
Meine Muttersprache ist Schweizerdeutsch. Dies ist auch die Sprache, in der ich mich, in den allermeisten Fällen, mit Freunden unterhalte und denke. Meine erste Fremdsprache Hochdeutsch beherrsche ich in allen Bereichen gut. Englisch kann ich aktiv verwenden, habe aber nur einen Grundwortschatz, während ich im Französisch, genau umgekehrt, einen breiten Wortschatz und wenig Alltagsgebrauch habe. in Italienisch, der „neue“ Sprache habe ich einen sehr geringen Wortschatz, mache aber gute Fortschritte und finde mich sehr gut in der Italienisch sprechenden Welt – inklusive Schule – zurecht.

Sonntag, 6. Februar 2011

Rückblich auf das erste Semster am Liceo Artistico (Fach: Deutsch)

che cosa era positivo?
Hm...Was hat mir gefallen? Eine gute Frage, denn so ziemlich alles hatte seine positiven und negativen Seiten. Die Einführung in die Textlinguistik zum Beispiel. Anfangs habe ich mich schwer gewundert... Nie währe ich auch nur annähernd auf die Idee gekommen, mich zu fragen, was ein Text ist! Etwas geschriebenes, habe ich gesagt, das eine gewisse Länge und einen Sinn haben soll. Naja, was soll ich sagen, diese Meinung wurde mir ausgetrieben, ich hab sie durch das Arbeiten mit den Textualitätsmerkmalen automatisch verloren und geändert. Besonders die Sache mit dem Totemügerli hat mir Spass gemacht, wenn sie auch mit dem Ende stressig wurde.
Saussures Sprachzeichen war für meinen Geschmack anfangs ein wenig zu theoretisch, dies hat sich aber insofern verbessert als wir auf Synonyme und Homonyme zu sprechen kamen.Den "Verdacht", den ich mittlerweile ferig gelesen habe war interessant. Er hat mich nicht zu 100% überzeugt, für seine 120 Seiten war er aber dennoch sehr gut. Dürrenmatts Spielerei mit uns, die "Überlegenheit" gewisser Figuren und gewisse Verknüpfungen waren sehr spannend zu lesen. Zwischendurch war die Verwendung der indirekten Rede zu unpassend; Mir kam öfters der Gedanke, Dürrenmatt würde mit direkter und indirekter Rede spielen, und dabei ungewohnte Formen ausprobieren.

... e cosa ne non mi ha piacuto?
Die Antwort auf diese Frage ist direkt von Punkt 1 abhängig. Jedes Thema hatte seine negative Seite, wenn jene bisher niemals überwiegend war.
Was mich besonders anfangs extrem gestört hat, war die grosse Schwatzhaftigkeit (kann man das so sagen?) in unseren Stunden. Deutsch war zwar ein Fach, in dem man öfters diskutieren musste, aber während dem Frontalunterricht stört das allgegenwärtige Summen der Stimmen.Wenn alle reden und auch ich angesprochen werde (worauf ich antworte oder zumindest einen Kommentar gebe, wodurch die Stunde wiederum lauter wird) kann sich niemand konzentrieren

FAZIT 
Der Deutschunterricht ist im Gegensatz zur Sekundarschule viel weniger theoretisch. Dies könnte den Grund haben, dass das Wissen über Präpositionen, Konjunktionen und weiss der Kuckuck was, schlicht und einfach voraussetzung ist. Mir liegt der theoretische Unterricht in Deutsch persönlich überhaupt nicht, da ich stets "aus dem Gefühl" die Fälle setze und aufgeschmissen bin, wenn ich Satzteile benennen und beschrften soll. In den letzten Jahren war das insofern ein Problem, da ich bei Arbeiten und Aufsätzen durchschnittlich eine Note besser war als in "Theorieprüfungen".. Gott sei Dank ist dies jetzt nicht mehr der Fall. (Was wahrscheinlich daran liegt, dass wir keine Grammatikprüfungen mehr haben.....)
An meinem Schnitt, wenn ich ihn mit den Noten der Sekundarschule vergleiche, hat sich wenig verändert. Vielleicht bin ich sogar ein wenig besser geworden.

Montag, 31. Januar 2011

Dürrenmatt: Der Verdacht, Zusammenfassung Teil 2


Der Abgrund
Bärlach und Hungertobel fahren am Silvesterabend nach Zürich zu Emmenbergers Klinik. Unterwegs werden Kommissar wie Arzt unabhängig voneinander von Zweifeln geplagt. Bärlach fällt vorübergehend in ein tiefes Loch. Er sieht den Sinn im Leben nicht mehr. Hat dies wohl etwas mit zunehmender Müdigkeit, Angst und Verzweiflung in Hinblick auf das Kommende zu tun? Eine "Vorahnung", sozusagen?
 
Der Zwerg
Vor dem Sonnenstein wartet Bärlach auf Hungertobel und Emmenberger. Während ihn die Nervosität beschleicht, erblickt er hinter einem vergitterten Fenster eine affenartige Gestalt: Klein, hässlich und mit grossem Kopf. Sie verschwindet sofort wieder, und als er die Schwester, nachdem man ihn ins Spital gebracht hatte, darauf anspricht, gibt sich diese unwissend.

Das Verhör
Der Kommissar wird in den OP gebracht, wo er untersucht werden soll. Unauffällig, wie er meint, stellt er Emmenberger diverse Fragen und droht ihm indirekt. Er ist beinahe zu herausfordernd und wagemutig, bringt Emmenberger aus der Fassung, worauf dieser ihm ein Beruhigungsmittel, das sich jedoch schnell als   Betäubungsmittel herausstellt, verabreichen lässt.

Das Zimmer
Bärlach erwacht 3 Stunden später in einem kalten, leeren Raum mit vergitterten Fenstern. Schwester Kläris Verhalten  ist kaltschnäuzig und direkt und bringt ihn aus der Fassung. Eingeschüchtert entscheidet er, krank wie er ist, ins Salem zurückzukehren und seinen Verdacht ruhen zu lassen. Das Zimmer wirkt bedrohlicher denn je und ohne dass er es weis, ist es für ihn längst zu spät um umzukehren.

Doktor Marlok
Nach einer Insulinkur schläft der ahnungslose Bärlach 4 Tage am Stück. Als die Ärztin Doktor Marlok ihn unter richtigem Namen anspricht und zugibt, über alle Taten Emmenbergers Bescheid zu wissen, steht Bärlach vollkommen entwaffnet da. Marlok, ehemalige Kommunistin, gibt an, Emmenbergers langjährige Geliebte zu sein und teilt dessen Menschenbild.

Die Hölle der Reichen
Doktor Marlock spricht über Recht und Unrecht und das Sonnenstein, wo Emmenberger, nach wie vor, im Namen von Wissenschaft und Menschlichkeit ohne Narkose operiert. Dies kann er, weil seine Patienten um alles in der Welt einige Tage länger leben wollen  und sich an  ihren Einfluss und Besitz auf dieser Welt klammern.
 
Ritter, Tod und Teufel
Als sich der verzweifelte Bärlach an Schwester Kläri wendet, erfährt er, dass auch sie Bescheid weiss. Sie geht und lässt ihm die Post da. Er findet die Zeitung, mit dem Artikel, um den er Fortschig gebeten hatte, und hofft, dieser würde sich bereits in Paris befinden.
 Nachdem ein taubstummer Arbeiter, der „Ritter, Tod und Teufel“ montiert hatte, trifft er auf einen Artikel, aus dem er erfährt, dass Fortschig tot ist. Er folgert richtig, dass der Zwerg ihn getötet haben muss.

Die Uhr
Emmenberger betritt das Zimmer und  lässt eine Wand zur Seite gleiten, sodass ein OP erscheint, bevor er seinen ganzen Plan in Einzelheiten vor Bärlach ausbreitet. Er hat vor Bärlach ohne Narkose zu operieren, sieht jedoch einen gewissen Reiz darin, ihn herauszufordern. So unterbreitet er ihm sein ganzes, wirres Weltbild sehr überzeugend und bietet ihm scheinheilig? an, ihn laufen zu lassen, sollte Bärlach ihm seine christliche Weltanschauung  ebenso überzeugend vorlegen. Als dieser schweigt, lässt er ihn schliesslich im gespenstisch erleuchteten Raum mit Blick auf die Uhr zurück.

Ein Kinderlied
Halb ohnmächtig wartet Bärlach in seinem Zimmer, schafft es nicht zu fliehen. Stunden verstreichen, bis die Tür sich öffnet – und nicht Emmenberger sondern Gulliver eintritt. Dieser erklärt dem entgeisterten Kommissar, er habe Hungertobel gerettet, der „Zwerg“ sei ein Freund von ihm, Emmenberger ist tot und er, Bärlach in Kürze auf dem Weg zurück ins Salem…

So wendet sich die Geschichte nach einigen psychopatischen aber gut geschriebenen Reden, nach verwirrten und verwirrenden Weltansichten und einem nervenaufreibenden Spiel mit der Zeit und der Geduld des Lesers zum Guten, alles findet ein jähes Ende und ist, bis auf einige Morde, viel zu schnell und einfach vorbei. Es hinterlässt, vor allem wenn man die letzten 5 Kapitel am Stück liest, ein undefinierbares und mulmiges Gefühl und dutzende Gedanken müssen erst zu Ende gedacht werden, bevor man eine Beurteilung fällen kann.
Zugegebenermassen ist das Buch unglaublich gut geschrieben und alles detailliert beschrieben. Dürrenmatt muss ein unglaubliches Vorstellungsvermögen gehabt haben, dies beweist allein schon die Tatsache,  dass andere intelligente Leute auf die Idee kommen seine Bücher auf verschiedenste Weise zu interpretieren. Wenn man den Gedanken zulässt, Dürrenmatt könnte ¾ des Buches mit Einbildungen Barlachs gefüllt haben, eröffnen sich einem dutzende neue Wege und Möglichkeiten der Interpretation...
 Nichts desto trotz ist es recht anstrengend das Buch, nachdem man es durchgelesen hat und seine Gedanken geordnet, erneut jedes Kapitel durchzulesen und einzeln zusammenzufassen
Vielleicht war der Sinn der Übung ja nicht, dass man Zusammenfassungen schreibt, nachdem man bereits das Ende kennt, und ich merke selbst, im Nachhinein, dass es so schwieriger ist, weil die Gedanken und Überlegungen „vorbelastet“ sind. Daher bin ich nun auch froh, dass diese Arbeit vorbei ist.

kursive Textpassagen: Persönliche Überlegungen, sinngemässe Ergänzungen

Sonntag, 16. Januar 2011

Dürrenmatt: Der Verdacht, Zusammenfassung Teil 1

Der Verdacht
Kommissar Bärlach liegt, vom Krebs geplagt und sich von einer Operation erholend im Spital.
Während er in einer alten Life blättert, wird sein alter Freund und Arzt Samuel Hungertobel beim Anblick eines ohne Narkose operierenden Dr. Nehle im KZ Stutthof, nervös. Der Verdacht, Hungertobel könne in Nehle seinen Bekannten Dr. Emmenberger wiedererkennen, kommt auf. Während Bärlach den Verdacht aufrecht behält,  versucht Hungertobel sich selbst von ihm abzubringen.

Das Alibi
Trotz anfänglichen Verdachten tritt ein augenscheinliches Alibi ins Bild: Emmenberg war zur Zeit der fraglichen Aufnahme in Chlie, von wo er auch zahlreiche wissenschaftliche Artikel veröffentlichte.
Bärlach fällt auf, dass sich die Schreibweise des jungen Emmenberger von jener der angeblich durch ihn veröffentlichten Artikel unterscheidet.
Entweder ist die Foto oder aber sind die aus Chile veröffentlichten Artikel gefälscht; Emmenberger und Nehle könnten trotz Alibi identisch sein.

Die Entlassung
Bärlach bekommt Besuch von seinem früheren Vorgesetzten Lucius Lutz, der ihm aus alters- und gesundheitlichen Gründen kündigt. Bei dieser Gelegenheit trägt er ihm auf, sich über den Verbleib Nehles zu erkunden, sowie seinem Kollege Blatter, das Buch Gullivers travel zu besorgen.
Wieso er letzteres tut bleibt vorerst ungeklärt.

Die Hütte
Abends kommt Lutz' Antwort, Nehle habe sich '45 (nach Kundgebung der Niederlage Deutschlands,) durch Gift das Leben genommen.
Beinahe zu Träumen verwischte Erinnerungen aus alter Zeit kommen in Hungertobel auf.
Bei einem Sturz wurde ein Student durch Zerstörung der Luftröhre, und damit verbundener Blockierung der Atemkanals, lebensgefährlich verletzt.
Durch geistesgegenwärtige Coniotomie rettete Emmenberger dem Studenten das Leben, hinterlässt in Hungertobel, durch seinen Gesichtsausdruck, jedoch den Eindruck eines gefühlskalten, geradezu sadistischen Menschens.

Gulliver
Um Mitternacht begrüsst Bärlach einen bereits erwarteten Besucher vom Bett aus.
Dieser ist Jude und ein alter Freund Bärlachs namens Gulliver. Riesenhaft und von zahllosen Misshandlungen geprägt erzählt er auf Bitte Bärlachs hin von seinem Leben und Überleben in den KZ und seinen frühen Bekanntschaften mit Nehle. Man erfährt schreckliche Details über Operationen ohne Narkose und dass das Foto aus der Life von Gulliver gemacht worden war. Während Gullivers Anwesenheit fliesst viel Wodka und man fragt sich schliesslich: War dies alles wirklich echt?

Die Spekulation
Bärlach und Hungertobel stellen weitere Thesen auf und diskutieren ihre bisherigen. Man stellt fest, dass es zwei sich gleichende Ärzte geben könnte, derer Ähnlichkeit nachgeholfen worden war. Bärlach entscheidet, sich bei Dr. Emmenberger als Patient einschreiben zu lassen und erläuterte seinen frühen Verdacht aufs Neue: Die Sprache der chilenischen Artikel unterscheiden sich sehr stark von Emmenberger Deutschkenntnissen. 

Noch ein Besuch
Bärlach bekommt Besuch von einem Bekannten namens Fortschig. Dieser betreibt in Bern alleine eine kleine Zeitung. Der Kommissar bittet ihn, einen Artikel über Nehle/Emmenberger ohne Nennung von Namen zu schreiben und danach aus Sicherheitsgründen nach Paris zu reisen. Bärlach beabsichtigt, Emmenberger zu provozieren.

kursiver Texte: Persönliche Überlegungen, sinngemässe Ergänzungen

Dienstag, 21. Dezember 2010

Der Zipferlake

Verdaustig wars, und glasse Wieben
Rotterten gorkicht im Gemank;
Gar elump war der Pluckerwank,
Und die gabben Schweisel frieben.

"Hab acht vorm Zipferlak, mein Kind!
Sein Maul ist beiß, sein Griff ist bohr!
Vorm Fliegenfagel sieh dich vor,
Dem mampfen Schantterrind!"
(...)